Biologisch abbaubare und kompostierbare Materialien: Die richtige Entsorgung

Alle Themen rund um die Verpackungswelt | enviropack Magazin

Biologisch abbaubare und kompostierbare Materialien: Die richtige Entsorgung

Nachhaltigkeit spielt in der Verpackungswelt eine immer größere Rolle. Besonders beliebt: biologisch abbaubare und kompostierbare Materialien. Wir erklären die Unterschiede zwischen “abbaubar” und “kompostierbar”, welche Rolle die Entsorgung dieser Verpackungen spielt – und stellen verschiedene Materialien vor.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was bedeutet biologisch abbaubar?
  2. Biologisch abbaubar oder kompostierbar?
  3. Welche Materialien sind biologisch abbaubar?
  4. Warum die korrekte Entsorgung so wichtig ist
  5. enviropack: Gemeinsam in die Zukunft der Verpackung

Was bedeutet biologisch abbaubar?

Biologisch abbaubar bedeutet, dass ein Werkstoff vollständig durch Mikroorganismen zersetzt werden kann. Die einzigen Endprodukte, die davon übrig bleiben dürfen, sind CO2, Wasser und Biomasse. Dieser Zersetzungsprozess kann sowohl im Wald, im Ozean oder an seiner Oberfläche, am Strand oder Meeresgrund, in der Erde, auf dem Feld, in einer Biogasanlage oder einer Kompostierungsanlage stattfinden. Die dafür benötigte Zeit ist nicht entscheidend. 

Die Geschwindigkeit und Effizienz des Abbaus hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art des biologisch abbaubaren Materials
  • Temperatur
  • Feuchtigkeit
  • Sauerstoffgehalt
  • Mikroorganismen.

In einigen Fällen kann der Abbau innerhalb weniger Monate erfolgen, während es in anderen Umgebungen länger dauern kann.

Biologisch abbaubar oder kompostierbar?

Der Begriff “kompostierbar” hingegen unterliegt strengen Bedingungen (EN 13432): er bedeutet die vollständige Zersetzung durch Mikroorganismen unter definierten Bedingungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu CO2, Wasser und Biomasse. In 90 Tagen müssen 90% des Ausgangsmaterials zersetzt worden sein. Ob ein Material kompostierbar ist, hängt nicht nur vom Material selbst ab, sondern auch von der Wandstärke und dem Aufbau des Produktes selbst.  

Die Merkmale einer kompostierbaren Verpackung 

  1. Biologisch abbaubar: Das Material kann unkompliziert in CO2 umgewandelt werden.
  2. Zersetzbar: Das Verpackungsmaterial wird so weit zersetzt, dass das Endprodukt nicht sichtbar verschmutzt ist.
  3. Keine negativen Auswirkungen auf den Kompost: Der entstandene Kompost ist nicht schädlich für Pflanzen und deren Wachstum und kann ohne Bedenken genutzt werden.

Der Fünf-Stufen-Test

Potentiell kompostierbare Materialien müssen zuerst einen Test durchlaufen:

  1. Chemische Analyse: Der Gehalt an Schwermetallen muss innerhalb der festgelegten Grenzen liegen. 
  2. Analyse des biologischen Abbaus: 90% des Materials muss in 90 Tagen zersetzt werden. 
  3. Siebtest: Nach 3 Monaten dürfen nur 10 % der Bestandteile noch größer als 2 mm sein.
  4. Kompostierbarkeit: Es dürfen keine negativen Auswirkungen auf den Kompostierprozess auffallen. 
  5. Ökotoxizitätsanalyse: Pflanzen dürfen durch den Kompost nicht negativ beeinflusst werden.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von kompostierbaren Materialien:

  1. Materialien, die sich in der heimischen Komposttonne abbauen lassen. 
  2. Materialien, die Temperaturen von 55 bis 60 Grad und deshalb eine industrielle Kompostieranlage benötigen. 

Biologisch abbaubar oder kompostierbar?

Welche Materialien sind biologisch abbaubar?

Das Problem: Durch die eher schwammige Definition von “biologisch abbaubar” können Unternehmen nahezu jedes Material damit bewerben. Es fehlen genaue Vorgaben oder Testverfahren. Die strengen Vorgaben für das Attribut “kompostierbar” hingegen sind verlässlich – und die so bezeichneten Materialien also wirklich umweltfreundlich.

Stärke 

Stärkebasierte Verpackungen werden aus Mais, Kartoffeln oder anderen Pflanzen gewonnen. Diese Materialien sind biobasiert und kompostierbar. Sie sind flexibel, leicht und bieten eine leichte Barrierefunktion gegen Feuchtigkeit und Fett. Diese Verpackungen sind ideal für Trockenprodukte und Lebensmittel mit geringem Fettanteil.

Vorteile:

  • Biobasiert und biologisch abbaubar
  • Flexibel und leicht
  • Angemessene Barrierefunktion 
  • Geeignet für Trockenprodukte

Nachteile:

  • Verliert Feuchtigkeit an Stabilität
  • Begrenzte Barrierefunktion gegenüber Fett und öligen Substanzen
  • Nicht immer hitzebeständig, daher ungeeignet für heiße Lebensmittel

Cellulosehydrat (Zellglas / Cellophan)

Cellulosehydrat wird aus pflanzlichen Zellulosefasern hergestellt, typischerweise aus Holz oder Baumwollabfällen. Diese Verpackungen sind transparent und sind vor allem für frische Produkte wie Obst und Gemüse geeignet. Sie bieten eine gewisse Barrierefunktion gegenüber Feuchtigkeit, aber weniger gegenüber Fett.

Vorteile:

  • Transparent, dadurch gute Sichtbarkeit der Produkte.
  • Biologisch abbaubar
  • Gut geeignet für frische Produkte

Nachteile:

  • Geringe Barrierefunktion gegenüber Fett und Feuchtigkeit
  • Verliert bei Nässe an Stabilität
  • Nicht für stark fetthaltige Produkte geeignet

Papier aus alternativen Faserquellen

Traditionelles Papier wird meistens aus Holzfasern gewonnen. Mittlerweile können Unternehmen aber auch auf Fasern aus Hanf, Bambus oder recycelten Textilien setzen. Sie sind nicht nur ressourcenschonender, sondern müssen oftmals auch weniger stark behandelt werden. Das entstehende Papier ist robust, vielseitig einsetzbar und biologisch abbaubar.

Vorteile:

  • Biobasiert und kompostierbar
  • Vielseitig einsetzbar, robust und anpassbar
  • Kann aus nachhaltigen Quellen gewonnen werden

Nachteile:

  • Verliert bei Feuchtigkeit oder Wasser an Stabilität
  • Benötigt möglicherweise zusätzliche Beschichtungen für bessere Barrierefunktion
  • Eventuell höhere Verarbeitungskosten 

Bagasse

Bagasse ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung aus Zuckerrohr. Dieses Fasermaterial wird oft zu Verpackungen für Lebensmittel und Einweggeschirr verarbeitet. Bagasse-Verpackungen sind außerdem hitzebeständig. Sie sind biobasiert, kompostierbar und eine Alternative zu herkömmlichen Kunststoff- oder Styroporverpackungen.

Vorteile:

  • Aus einem landwirtschaftlichen Nebenprodukt hergestellt
  • Hitzebeständig
  • Biobasiert und biologisch abbaubar

Nachteile:

  • Begrenzte Barrierefunktion gegenüber Feuchtigkeit und Fett
  • Verliert bei längeren Kontakt mit Flüssigkeiten an Stabilität

Weizenstroh

Weizenstrohverpackungen werden aus den Stängeln übrig gebliebener Weizenpflanzen hergestellt. Sie sind besonders robust und sehr leicht. Verpackungen aus Weizenstroh eignen sich gut für Trockenprodukte und Einweggeschirr. 

Vorteile:

  • Verwertung von landwirtschaftlichen Reststoffen
  • Robust und leicht
  • Biobasiert und kompostierbar

Nachteile:

  • Verliert bei hoher Feuchtigkeit an Stabilität
  • Begrenzte Barrierefunktion gegenüber Feuchtigkeit und Fett

Faserpflanzen

Verschiedene Faserpflanzen wie Jute, Sisal oder Leinen können zur Herstellung von umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien genutzt werden. Diese Pflanzen haben starke Fasern, die zu widerstandsfähigen und biologisch abbaubaren Verpackungen verarbeitet werden können. Sie werden oft für Taschen, Beutel und andere textile Verpackungslösungen verwendet.

Vorteile:

  • Biobasiert und kompostierbar
  • Starke Fasern führen zu widerstandsfähigen Verpackungen
  • Vielseitig einsetzbar, besonders in Form von Textilprodukten

Nachteile:

  • Höhere Verarbeitungskomplexität 
  • Begrenzte Barrierefunktion

Biobasierte Kunststoffe

Biobasierte Kunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke, Kartoffeln oder Zuckerrohr hergestellt. Sie sind eine umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichen Erdöl-basierten Kunststoffen. Wichtig ist aber: Biobasierte Kunststoffe werden zwar ganz oder teilweise aus biologischen statt aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Nicht alle davon sind allerdings kompostierbar, jedoch durchwegs biologisch abbaubar.

Vorteile:

  • Biobasiert und biologisch abbaubar
  • Hat ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe 
  • Unterstützt den Übergang zu nachhaltigeren Verpackungsoptionen

Nachteile:

  • Biologische Abbaubarkeit variiert je nach Material und Umgebungsbedingungen
  • Nicht immer kompostierbar

Welche Materialien sind biologisch abbaubar?

Warum die korrekte Entsorgung so wichtig ist

Nur, wenn kompostierbare Materialien auch fachgerecht entsorgt werden, können sie auch wirklich umweltfreundlich sein. Materialien, die auf dem heimischen Kompost entsorgt werden können, sind an der Norm für Gartenkompostierbarkeit AS 5810 erkennbar. Andere kompostierbare Materialien müssen im Biomüll entsorgt werden – so gelangen sie in die nötige industrielle Kompostieranlage. 

Werden kompostierbare Verpackungen nicht fachgerecht entsorgt, führt das zu verschiedenen Problemen:

1. Langsame Zersetzung:

Kompostierbare Materialien benötigen spezifische Umgebungsbedingungen, um abgebaut zu werden. Bekommen sie diese Bedingungen nicht, zersetzen sie sich nur langsam oder nahezu gar nicht. Das trägt zur Ansammlung von Abfällen bei und mindert den ökologischen Nutzen.

2. Umweltverschmutzung:

Auch die unsachgemäße Entsorgung von kompostierbaren Materialien führt zu Umweltverschmutzungen. Das wirkt sich nicht nur negativ auf die Tierwelt aus, sondern belastet auch die Ökosysteme.

3. Verschwendung von Ressourcen:

Die Herstellung von kompostierbaren Materialien erfordert nicht selten noch immer viele Ressourcen. Dazu gehören Wasser, Energie und landwirtschaftliche Flächen. Werden diese Materialien nicht korrekt entsorgt, werden auch die verwendeten Ressourcen sinnlos verschwendet.

4. Kontamination von Recyclingströmen:

Einige kompostierbare Materialien ähneln herkömmlichen Kunststoffen oder Papierprodukten. Gelangen sie in den Recyclingstrom, beeinträchtigen siewomöglich die Qualität des recycelten Materials oder erschweren die Trennung der Materialien. Dies verringert die Effizienz des Recyclingprozesses.

5. Kosten für die Müllentsorgung:

Einige kompostierbare Materialien erfordern eine spezialisierte Entsorgung, beispielsweise in geeigneten Kompostieranlagen. Werden sie unsachgemäß entsorgt, entstehen zusätzliche Kosten für die Abfallwirtschaft.

fachgerechte Entsorgung

Der Einfluss von Druck und Design auf den Abbauprozess

Der Abbauprozess von kompostierbaren Verpackungsmaterialien wird nicht nur von ihrer chemischen Zusammensetzung und den Umgebungsbedingungen beeinflusst, sondern auch von Faktoren wie Druck und Design. 

Druckfarben, Beschichtungen und Designelemente können den natürlichen Abbauprozess verlangsamen oder sogar verhindern. Komplexe Designs, intensive Farbstoffe oder nicht abbaubare Beschichtungen versiegeln die Oberfläche der Verpackung und behindern die Sauerstoffzufuhr, die für den Abbau durch Mikroorganismen notwendig ist. 

Deshalb wichtig: Beim Planen und Gestalten der Verpackung auf umweltfreundliche Materialien zu achten, damit das Produkt später reibungslos in den natürlichen Kreislauf zurückkehren kann.

enviropack: Gemeinsam in die Zukunft der Verpackung

Wir bei enviropack sind stets bemüht, innovative und nachhaltige Verpackungslösungen zu fördern. Deshalb bieten wir eine Bandbreite an umweltfreundlichen Materialien, vom Karton bis hin zum Klebeband. Gerne beraten wir Sie und Ihr Unternehmen zur Wahl der passenden nachhaltigen Verpackung – kontaktieren Sie uns einfach. 

Zuletzt aktualisiert am 15. März 2024 von Levana Brusius